Zu hohe Ansprüche an den Partner und die Beziehung
Okt 07

Es ist keine Seltenheit, dass Menschen, die sich in der Vergangenheit aus den unterschiedlichsten Gründen getrennt haben, eines Tages trotz aller negativen Prophezeiungen wieder zueinander finden und das gemeinsame Glück zu zweit erneut herausfordern. Viele erkennen leider erst nach einer Trennung, wie viel ihnen der andere bedeutet und wie stark die Gefühle in Wahrheit doch sind. Ein untrügliches Zeichen, eigentlich das Zeichen schlechthin, welches die Stärke der emotionalen Bindung meist bitter verdeutlicht, ist anhaltender und quälender Liebeskummer, der den Verlassenen durchaus Wochen oder gar Monate plagen kann. Fast jeder von uns kennt diese menschliche Schwäche, die uns zeigt, wie sehr wir Dinge vermissen, sobald sie nicht mehr da sind. Umgekehrt wird allerdings häufig weitaus weniger Energie investiert. Geht es beispielsweise um den Erhalt einer Beziehung oder um den Gewinn von Pluspunkten beim Partner, dann läuft der Aufmerksamkeitsmotor auf Sparflamme bis unter Umständen eines Tages nichts mehr zu retten ist und eine Panne die nächste jagt. So funktionieren nun mal die meisten Menschen und leider wird sich daran so schnell auch nichts ändern.

Für gewöhnlich ist eine Trennung die bittere Konsequenz aus Streitigkeiten und generellen Konflikten, deren Ursachen letztendlich in der Unterschiedlichkeit der Charaktere begründet sind. Vor allem die Unterschiede im Bezug auf Moral und Lebensziele sind es, die viele Paare über kurz oder lang scheitern lassen und damit auch jedem geplanten Neuanfang mit dem ehemaligen Partner im Wege stehen. Damit sind wir auch bei der eigentlichen Frage, nämlich ob ein Zurück zum Ex-Partner hier und da erfolgsversprechend sein kann, oder eben auch nicht. Meiner Meinung nach gibt es dafür von mir in den allermeisten Fällen, mal abgesehen von wenigen Ausnahmen, bei denen seltsame Missverständnisse oder Umstände das Beziehungsende herbeigeführt haben, ein klares „Nein“ und ich möchte auch erklären, warum ich das so sehe.

Zum einen sind da die Altlasten, also die Gründe, die erst zur Trennung geführt haben. Eine gescheiterte Beziehung hinterlässt nun mal ihre Spuren und so liegt es in der Natur der Sache, dass negative Assoziationen und Erinnerungen, wie beispielsweise der ständige Gedanke an den Seitensprung des geliebten Partners, einem Neustart nicht gerade sonderlich dienlich sind. Diese Dinge schleppen einige ewig mit sich herum. Selbst in Beziehungen mit neuen Partnern können längst vergangene Ausrutscher des Ex-Partners das Misstrauen anderen Menschen gegenüber so verschärfen, dass die neue Partnerschaft von vornherein auf wackligem Eis steht. Gewisse Erfahrungen können einen ehemals Betrogenen zum eifersüchtigsten Zeitgenossen auf der ganzen Welt werden lassen. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass der neue Partner diese menschlichen Reaktionen richtig zuordnen kann. Zudem lieben wir alle die positiven und unbeschwerten Momente in unserem Leben. Neue Partner sind zunächst nicht vorbelastet. Auch wenn man nicht wissen kann, wie sich eine Liebe entwickelt, die negativen Dinge, die man eventuell bei einem Neuanfang mit seinem Ex-Partner permanent in Erinnerung ruft, findet man höchst wahrscheinlich nicht, wenn man sich mit seiner neuen Flamme ins Abenteuer Beziehung stürzt.

Jetzt mag eventuell der Einwand kommen, dass manch einer doch bewusst den Ex-Partner zurückgewinnen möchte. Das mag zwar sein, aber die Trennungsgründe sind tief im Inneren noch längst nicht vergessen. Und wenn einem dann das Unterbewusstsein ständig sagt, eben weil man nicht einfach vergessen kann, dass aus dem Remake eigentlich keine Traumbeziehung mehr werden kann, wie soll dann überhaupt ein Wille existieren. Und wo kein Wille, da ist ja bekanntlich auch kein Weg.

Häufig existieren noch recht starke Gefühle für den Ex-Partner, die einem allerdings die Sinne derart vernebeln können, dass eine objektive Betrachtungsweise der Situation schlichtweg nicht möglich ist. So kommt es eben vor, dass man, allen Warnungen zum Trotze, dem ehemaligen Partner doch noch die berühmte „allerletzte“ Chance einräumt. Oft dauert es jedoch nicht lange und der Besserung lobende Part verfällt nach einer kurzen Phase unfreiwilliger Angepasstheit wieder ins alte Muster oder geht, je nach Trennungsgrund, womöglich schon bald wieder fremd.

Vielen ist auch gar nicht bewusst, dass sich Menschen im Grunde nur äußerst selten grundlegend und vor allem auf Dauer ändern. So versucht beispielsweise die gesamte Gesellschaft alle Menschen in gewisse Normen zu pressen, was allerdings nicht so gelingen kann, wie sich das so manch einer vorstellt. Irgendwann siegen die wahren Charaktereigenschaften und schon, um mal auf das eigentliche Thema zurückzukommen, sind die Beziehungsprobleme vorprogrammiert. Sicherlich ist es auch was anderes, wenn beispielsweise Kinder im Spiel sind. Logisch, dass viele, die eigentlich nicht zusammen passen, dennoch zusammen bleiben, nur um den Kindern eine intakte Familie bieten zu können. Doch auch hier stellt sich die Frage, ob es nicht selbst für die Kinder besser wäre, in harmonischen Beziehungen aufzuwachsen, als dass beide dem Nachwuchs und sich selbst das perfekte Familienleben nur vorspielen?

Natürlich hat es auch gewisse Vorteile, wenn man einen zweiten Anlauf nimmt und den Ex-Partner zurückholt. Man weiß schließlich was man hat und auf was man sich einlässt. Man muss die gemeinsame Wohnung nicht aufgeben, kann den Freunde- und Bekanntenkreis behalten und muss seine Lebensgeschichte nicht von vorn erzählen. Das gesamte Kennlernphase wird übersprungen und mit ihr ein paar unangenehme und zeitaufwendige Seiten, die ein neuer Partner logischerweise mit sich bringt. Oft läuft es nach einer Trennung auch erst mal wieder besser und man schwebt womöglich erneut im siebten Himmel. Doch in den meisten Fällen holte einen die Realität womöglich schneller ein, als einem lieb sein dürfte. Auch wenn man die Vergangenheit ruhen lässt und alle negativen Erinnerungen erfolgreich verdrängt, aber wie schnell passiert es, dass man schon bald wieder den Respekt voreinander verliert und das alte Spiel von vorn beginnt, nur weil man im Grunde eigentlich nicht zusammenpasst?

Eine Antwort zu “Zurück zum Ex-Partner”

  1. joolsthebear sagt:

    Ich denke mal, es lässt sich nicht pauschalisieren, ob es noch Sinn macht zum Ex zurückzukehren bzw. es noch mal zu versuchen oder nicht.

    Sicher gibt es Gründe, die eher dagegen sprechen. Je nachdem, welcher Faktor die Beziehung letztendlich zum Scheitern brachte. Dinge wie wiederhohlte Seitensprünge, unterschiedliche Lebensplanungen etc. sind sicher kein gutes Fundament, eine gescheiterte Beziehung wieder aufzunehmen.

    Allerdings gibt es durchaus auch eine Menge Trennungsgründe, bei denen man kritisch beäugen sollte, ob es nicht Möglichkeiten gibt, diese “im 2. Anlauf” besser zu machen. Bspw. kann es sein, dass beide Partner ein zu geringes Maß an Lebenserfahrung hatten, vielleicht noch nicht die Grundlagen einer Harmonischen Partnerschaft verinnerlicht hatten, oder einer der Partner sich noch nicht wirklich ausgetobt hat. Mit steigendem Alter werden die Gründe für eine Partnerschaft rationeller, und die Wahrscheinlichkeit “aus einem Gefühl heraus” eine Partnerschaft zu beenden, etwas geringer. Allerdings kann eine einseitig ausgesprochene Trennung durchaus ein emotional tief einschneidendes Erlebnis sein, welches einen Menschen durchaus veranlassen kann, noch einmal sein Verhalten in der Vergangeheit zu reflektieren und zu überdenken.

    Was aber wiederum auch vorraussetzt, dass beide Partner die gleiche Zielsetzung haben und auch der Gehende trotz seiner Überlegenen Position sein Verhalten kritisch beäugt.

    Ich denke eine offene Kommunikation, nachdem die meisten negativen Emotionen verdaut sind, ist die beste Basis noch einmal unvoreingenommen zu betrachten, ob ein Neustart Sinn macht. Schließlich hat man ja durchaus eine u.u. recht lange Zeit mit dem Partner verbracht und kann beurteilen, ob dieser mit einem harmoniert oder nicht.

    Allerdings vorweg sollte man Fragen für sich beantwortet haben wie:

    “Hab ich evtl. nur Angst vor der Einsamkeit?”
    “Glorifiziere ich die Beziehung?”
    “Kann ich diesmal mit den unterschiedlichen Ansichten meines Partners leben?”
    “Wie weit wird die Beziehung durch die Trennug belastet, kann ich damit umgehen?”

    Eine Kritische Prüfung ist sicher wichtig, aber zu schnell einfach nur in unserer schnellebigen Zeit unter eine gescheiterte Beziehung einen Strich zu setzen und mit dem Strom der Wegwerfgesellschaft zu schwimmen, halte ich für den falschen Ansatz.

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